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  1. Paul Michel: Visualisierung von Wissen

    Wissensvermittlung geschieht nicht nur mittels Sprache, sondern auch durch Bilder, Schemazeichnungen, Graphiken. Es handelt sich dabei um "Gebrauchsbilder", die ganz andere Funktionen haben als Kunstwerke. (D.h. es geht in diesem Projekt nicht um Bilder als Ausdruck eines Gefühls, Bilder als "Vision", die die Dinge der Welt neu sehen lassen oder die Welt poetisieren, auch nicht um dekorative Verwendung von Bildern. Ebenfalls ausgeklammert wird die Werbegraphik, weil deren Hauptfunktion nicht die Produkte-Information ist, sondern das Produkt als begehrenswert erscheinen zu lassen.)

    Wir fragen, wie Wissen in Form von (Text begleitenden oder Text ersetzenden) Bildern vermittelt wird. Einerseits interessiert: Wie erfüllen die Illustratoren den Auftrag, ein bestimmtes Wissens-Element graphisch zu realisieren? Und anderseits: Wie "liest" der das Wissen Rezipierende Bilder? Das Ziel ist, ein hinlänglich auflösendes, systematisches Kategorienraster zu erstellen, welches wissensvermittelnde Bilder zu analysieren vermag.

    Wir klassifizieren nach drei Dimensionen:

    O
    Der logische Status des Objekts, das visualisiert wird; das Thema.
    F
    Funktion(en) des Bildes.
    T
    Techniken der Visualisierung (gemeint sind nicht graphische Techniken wie Holzschnitt oder Lithographie, sondern die didaktischen Kunstgriffe der Illustratoren, mit denen sie ein Wissens-Objekt visualisieren).
    Die Beschreibung jeder Graphik geschieht mit einem O-F-T-Tripel.

    Wir gehen von einfachen Fällen aus, die sich in Epochen noch wenig entwickelter Naturwissenschaft und Technik sowie in wissensvermittelnden Werken für Laien finden - mithin in populärwissenschaftlichen Publikationen, belehrendem Jugendschrifttum, Enzyklopädien u.ä. Beigezogen werden auch ältere Publikationen seit etwa 1500. Gründe: Die Objekte sind oft einfacher und deshalb leichter verständlich; wir möchten zeigen, dass viele Visualisierungen längst erfunden sind, die heute gang und gäbe sind; wir profitieren von einer historischen Verfremdung.

    Die Sammlung der teilweise bereits interpretierten Visualisierungs-Beispiele ist mittlerweile auf über 300 angewachsen. Das Raster der Kategorien O, F, T ist noch nicht vollkommen geklärt. Erste (noch nicht druckreife) Ergebnisse unserer Analysen veröffentlichen wir nach und nach auf unserer Homepage.

    Die Finanzierung der Mitarbeiter (genannt auf der Homepage) ist erfolgt durch namhafte Zuwendungen privater (z.T. nicht genannt sein wollender) Stiftungen.

    Für das ganze Team: der Projektleiter Paul Michel (Februar 2015)